FORSCHUNG & PRAXIS · 2022–2024 · COTTBUS-SANDOW

StadtumMig II – Community Organizing in Cottbus-Sandow

Im Forschungs- und Praxisverbund StadtumMig II war das Geflüchteten Netzwerk Cottbus e.V. offizieller Verbundpartner für die Umsetzungsmaßnahmen in Cottbus. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Frauen mit Flucht- und Migrationsgeschichte in Sandow ihre Interessen selbst formulieren, sich organisieren und aktiv an der Entwicklung ihres Stadtteils mitwirken können.

Mit Methoden des Community Organizings wurden die Frauen nicht nur befragt, sondern Schritt für Schritt dabei begleitet, eigene Ziele zu entwickeln und diese gegenüber lokalen Akteur*innen und der Stadtverwaltung zu vertreten.

Das Projekt in Zahlen

40
Frauen bis Ende 2023 aktivierend befragt

7 + 7
Sozialraumbegehungen und Interviews

ab Mai 2023
wöchentliche Austausch- und Sportangebote

Ergebnis
Internationales Frauencafé Sandow

COMMUNITY ORGANIZING

Frauen nicht nur erreichen – sondern Selbstorganisation ermöglichen

Für das Cottbuser Teilprojekt beschäftigte das Geflüchteten Netzwerk zwei Organizerinnen. Eine Mitarbeiterin konnte eigene Erfahrungen mit Sprachbarrieren, Orientierung in einer neuen Gesellschaft sowie den besonderen Belastungen nach Krieg und Flucht einbringen. Die zweite Mitarbeiterin brachte Erfahrungen aus Community-Organizing-Prozessen mit.

Gemeinsam mit Frauen aus Sandow wurden Bedarfe erhoben, Vertrauen aufgebaut und niedrigschwellige Räume geschaffen, in denen die Teilnehmerinnen eigene Anliegen diskutieren und gemeinsame Handlungsmöglichkeiten entwickeln konnten. Eine wichtige lokale Kooperation bestand mit Initiative Jugend und Kultur e.V. sowie später mit Sandow Community Power.

Vom Zuhören zum gemeinsamen Handeln

2023 · Sozialraum verstehen

Sieben Sozialraumbegehungen und sieben Interviews machten Bedarfe sichtbar. Bis Ende 2023 wurden 40 Frauen aktivierend befragt. Themen waren unter anderem Kinderbetreuung, Freizeit, Arbeitssuche, Begegnung und Rassismuserfahrungen.

2023 · Austausch, Sport und Kinderbetreuung

Ab Mai 2023 entstanden wöchentliche Austauschrunden und Sportangebote. Ab Juli wurde Kinderbetreuung ergänzt, weil sie für viele Frauen eine Voraussetzung für die regelmäßige Teilnahme war.

2024 · Eigene Forderung, konkreter Erfolg

Die Frauen formulierten selbst den Bedarf an einem Sprachkurs mit Kinderbetreuung. Sprecherinnen wurden in den Austausch mit der Stadtverwaltung gebracht und erreichten die Bereitstellung von Mitteln für einen entsprechenden Kurs.

WIRKUNG, DIE BLEIBT

Internationales Frauencafé Sandow

Aus dem Organizing-Prozess entwickelte sich eine aktive Frauengruppe unter dem Namen Internationales Frauencafé Sandow. Im Rahmen der Verstetigung entstanden ein eigenes Logo und ein Social-Media-Auftritt. Die Gruppe schloss sich einer lokalen Anwohner*inneninitiative an und stärkte damit ihren Anspruch auf Selbstvertretung im Quartier.

Ein Teil der erreichten Frauen engagiert sich auch nach Projektende weiter in der Initiative Sandow Community Power. Damit reicht die Wirkung des Projekts über einzelne Veranstaltungen und die Förderlaufzeit hinaus.

Was wir gelernt haben

Selbstorganisation braucht Zeit und Vertrauen. Für viele Frauen waren Entlastung bei Sorgearbeit, Kinderbetreuung und niedrigschwellige soziale Begegnungen Voraussetzungen dafür, eigene Bedürfnisse zu formulieren und demokratische Beteiligung auszuprobieren.

FORSCHUNG IM VERBUND

Praxispartner auf Augenhöhe mit Wissenschaft und Stadtentwicklung

StadtumMig II war ein inter- und transdisziplinäres Verbundprojekt. Neben dem Geflüchteten Netzwerk Cottbus e.V. arbeiteten das Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS), das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), das Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) der Humboldt-Universität zu Berlin, die B.B.S.M., die AWO Soziale Dienste Westmecklenburg und Mio e.V. im Verbund zusammen.

In Cottbus fand im April 2024 eine Transferwerkstatt zu „Chancen und Herausforderungen des Community Organizings“ statt. Sie brachte lokale Akteur*innen mit Partner*innen aus Wissenschaft und Praxis zusammen. Die Ergebnisse des Verbundprojekts flossen außerdem in Transferformate, wissenschaftliche Diskussionen und das Handbuch StadtumMig II ein.

Verbundlaufzeit: Oktober 2022 bis Dezember 2024. Das Cottbuser Teilprojekt G erhielt zur Verstetigung eine kostenneutrale Verlängerung bis Januar 2025.

Mehr aus den Projektjahren entdecken

Der Organizing-Prozess entwickelte sich über mehrere Projektjahre – vom Start des Verbunds 2022 über die intensive Arbeit mit Frauen 2023 bis zum konkreten Beteiligungserfolg 2024.

Nach oben scrollen